2016-2018
Verwandlung: Aus der jungen Johanna (Sarah Rilka, r.), die ihr Mentor Gerold (Sebastian Elmers) trägt, wird in dieser Szene die junge Frau Johanna (Jenny Effertz). | © Andreas Frücht
Veröffentlicht am 18.11.2017 von Neue Westfälische

Zeitungsartikel: So emotional ist das Musical „Die Päpstin“

Premiere in Rheda-Wiedenbrück rührt Publikum zu Tränen.

Rheda-Wiedenbrück. Zu Tränen gerührt waren einige Aktive des Musicals "Die Päpstin" bei den Proben - davon, wie sie die Lebens- und Leidensgeschichte Johannas vom eigentlich chancenlosen Mädchen zur Frau auf dem Papstthron erzählen und von ihrem tragischen Ende. Darum war es kein Wunder, dass bei der Premiere vorsorglich Taschentücher auf den Stühlen für die Zuschauer lagen. Doch war die Aufführung keineswegs zum Heulen.

Die Erwartungen an die Leistungen des 2012 gegründeten Vereins Musical-Fabrik steigen mit jedem Projekt. Am Musical "Die Päpstin" wirken 130 Kinder und Erwachsene auf, vor und hinter der Bühne mit, in einer doppelten Besetzung der Hauptrollen. Sie alle haben tausende Stunden investiert, sagte Klaus Wulfheide, Gesamtleitung, und betonte, dass die "ambitionierten Laiendarsteller" nun keine leichte Kost bieten. Doch übertraf sein Wunsch an das Publikum, einen "berührenden Musicalabend" zu verleben, alle Erwartungen.

Das Musical erzählt die Legende von Päpstin Johanna, geboren 814 in Ingelheim, die es mit ihrer Intelligenz und Schlauheit bis nach Rom schafft. Wie eine Wahrsagerin prophezeit, werden Macht und Größe ihre sein, doch wird Johanna auch Schmerz und Kummer erleben, mehr als sie sich vorstellen kann.

In die Rolle dieser spannenden Figur schlüpfte in der Premierenbesetzung als Kind Sarah Rilka. Als Frau ist es Jenny Effertz, die die Johanna nicht nur spielt, sondern lebt - so viel Drama, Leidenschaft, und Inbrunst drückt sie aus. Kämpferisch ist Johanna und clever, doch auch verzweifelt in einer Welt, in der ihr als "Wechselbalg" von ihrem bösen, besessenen Vater (Friedel Domke) kein Recht auf Bildung eingeräumt wird. Der sogar ihre Mutter (Kerstin Bruchholder) zum Wohle ihrer Seele bestraft, weil sie ihrer Tochter von heidnischen Göttern erzählt. Doch steht dem Mädchen Aeskulapius (Burkhard Schlüter) bei, der - überaus fortschrittlich - davon überzeugt ist, dass es für die Wissenschaft unwichtig ist, welches Geschlecht ein kluger Kopf hat. So kommt Johanna in die Klosterschule.

Intrige: Anastasius (Bastian Granas, l.) und Arsenius (Felix Büscher) streben nach Macht. | © Andreas Frücht

Im Spannungsfeld von Verrat und Vertrauen, von Freundschaft und Feindschaft, von Intrigen und Verschwörungen stehen Johanna immer wieder Männer zur Seite. Sie findet in Gerold (Sebastian Elmers) nicht nur einen Beschützer und Mentor, sondern später ihren Geliebten. Beide gestehen sich in einem innigen, anrührenden Duett ihre Liebe. Dass Gerold auch anders kann, zeigt er im kämpferisch gesungenen Wortgefecht mit dem nicht weniger intensiv und vehement agierenden Anastasius (Bastian Granas), der Papst werden will, und seinem Vater Arsenius (Felix Büscher).

Das alles spielt vor einer zurückhaltenden, eher spartanischen Kulisse. Die verändert sich wie von Zauberhand durch Kulissenschieber in Kutten. Mit einem anderen Vorhang verwandelt sich eine düstere Szenerie in einen fröhlichen Jahrmarkt. Es sind die großen Bilder, die wie Gemälde wirken und die für Leichtigkeit sorgen nach den schweren Momenten im Leben Johannas, die inzwischen als einzige ein Gemetzel überlebt hat und sich fortan als Mann ausgibt.

Fantasievolle Kostüme, abwechslungsreicher Chorgesang, eingängige Melodien und die scheinbar schwerelosen Choreographien - auch die der geheimnisvollen Raben - verleihen dem Musical fröhliche, heitere Seiten. Sie lassen das Publikum aufatmen zwischen all der Schwermut und den Kämpfen, die Johanna erlebt und erträgt. Für breites Grinsen sorgen beispielsweise der laszive Gesang der "Cäsarin von Rom" Marioza (Bettina Kramer) und die nicht uneitlen Muskelspiele der Freudenhausbesucher mit entblößten Oberkörpern.

Für Johanna allerdings wird es Ernst, als sie zur "Päpstin des Volkes" gewählt wird. Noch mehr Feinde macht sie sich mit ihrer Modernität wie der Gründung einer Mädchenschule. Noch besser muss sie ihr wahres Gesicht verbergen - bis zum tragischen Ende. Das ist sehr emotional. Da dürfte manch eine Träne der Ergriffenheit über das Schicksal der Päpstin beim Publikum gekullert sein. Aber auch manch eine der Rührung über die großartige Leistung des Ensembles. Die Aktiven jedoch könnten Taschentücher ausschließlich für Freudentränen benötigt haben - Freude über die von den Zuschauern mit stehenden Ovationen gefeierte Premiere.


Der Artikel wurde von Marion Pokorra-Brockschmidt für die Neue Westfälische verfasst. Den vollständigen Artikel mit wunderbaren Bildern und eine schöne Bildergalerie vom Premierenabend finden Sie in der Online-Ausgabe der Neuen Westfälischen.

 

Die Päpstin Presse

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